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Airbeat One 2016 - ein kleiner Erfahrungsbericht

[VA-Bericht]
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Moderatoren: mich0701, Lars H

Beitrag Nummer:#1  Beitrag Mo 18. Jul 2016, 13:25
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Hallo Leute,

in diesem Jahr startete ich das erste mal zum Airbeat One auf dem Flugplatz in Neustadt-Glewe. Mit einem der größten Festivals für EDM und Hardstyle klang das LineUp sehr vielversprechend. Schön war es die "alte Hasen" aus den 90ern mal wieder gehört zu haben.

Anfahrt | Campingbereich:
Die Anreise über die Autobahn gestaltete sich problemlos. Wir waren nach wenigen Stunden Fahrt bereits im Ort, das Navi sagte uns noch 3km bis zum Ziel voraus. Bis hierhin verlief noch alles recht entspannt, doch dann kam das erste Schild mit einem Pfeil "Airbeat". Eine junge hübsche Polizistin stoppte uns und informierte alle darüber das es sich bei dem Eingang nur um den VIP Bereich handelte. Gefühlte 10.000 weitere Autos hinter uns musste ebenfalls wieder umkehren. Es stand da nichts von VIP!!! Auf die Frage hin wo denn dann der Eingang für die normalen Camper sei konnte uns keiner weiterhelfen. Wir fanden noch 5 weitere Polizisten die ebenfalls nichts wussten. Also irrten wir noch etwa 30 weitere Minuten durch die Ortschaft ehe uns ein Fußgänger helfen konnte. Wie trafen am Ende der Schlange zum Flugplatz ein, das Navi sagte uns noch 2000m bis zum Ziel. Es war 19 Uhr, wir freuten uns darauf noch bei Tageslicht aufbauen zu können.
Das Ende vom Lied war das sich mehrere Schlangen eine einzige Zufahrtsstraße teilen mussten und wir so nach 11!!!!!!!! Stunden Wartezeit den Zeltplatz betreten konnten. Mittlerweile war es wieder hell :grin:
Gerüchten zufolge muss wohl am Anfang noch jedes Fahrzeug auf Glasflaschen und Drogen hin kontrolliert worden sein. Uns hat man dann nur noch die Karten in die Hand gedrückt und wurden durchgewunken.
Nun die Ironie: Bei einer so immensen Wartezeit bleibt man natürlich nicht in seinem Auto sitzen. Daher wurde bereits am Straßenrand schon recht straff gefeiert. Es war klar das Alkohol getrunken wurde. Kurz vor dem Eingangsbereich ließ man nun willkürlich die Fahrer pusten, welche leider nicht immer mehr nüchtern waren und so den Umweg über das Revier nehmen mussten. Das Auto mit geballter Kraft aller Mitfahrer zu schieben war aber erlaubt :lol:

Am Campingplatz angekommen, aufbauen, das erste Bier öffnen. Prost! Von da an lief wirklich alles glatt.
Was mir ein wenig fehlte war auch die Kommunikation unter dem Personal. Die Security wusste beispielsweise nur die Fahrzeuge einzuweisen und auf dem Campingplatz zu verteilen. Alle anderen Informationen zur Veranstaltung selbst (Beispiel Anlieferung personalisierter Toiletten, wo sind die Duschen, wo kann man sich Wasser holen, etc.) fehlten zu Beginn komplett.

All in all gestaltete sich soziale Komponente untereinander ziemlich entspannt. Die Leute waren gut drauf, immer mal für Späße bereit und nicht aggressiv.
Zwischen 4 und 9 Uhr stellte sich auf dem Platz meistens etwas Ruhe ein, Zeit zum schlafen! Für Leute die Tagsüber akustische Ruhe brauchten empfiehlt sich auch ein Besuch am See.
Vom Wetter her war es zu 80% bewölkt aber warm. Zum Teil regnete es auch ab und an mal. Ich fand es für mein Empfinden jedoch sehr angenehm! Das letzte Jahr auf dem Deichbrand in brütender Hitze ist noch wesentlich anstrengender als ab und an mal Regen. Der Kälteeinbruch Freitagnacht auf 6°C wurde so auch problemlos überwunden.


Party auf dem Campingplatz | Nahrung


Es gab vorher bereits heftige Diskussionen um die Aktualisierung der FAQ auf der Veranstaltungsseite. Hier hieß es man dürfe auf dem Campingplatz nur kleine Anlagen (Topteil bis 1kW ohne zusätzliche Bässe) mitbringen. Zusätzlich waren nur kleine und leise Stromaggregate erlaubt. Zwischenzeitlich durfte man sogar mal überhaupt keine Stromerzeuger nutzen.
In der Praxis lief es dann wie folgt ab: "Scheiß egal!"
Es kontrollierte wirklich niemand etwas. Anlagen in der Größenordnung "Dorffestzelt" wurden aufgefahren, die Stromaggregate sorgten Tag und Nacht für einen brummligen Grundton auf dem Platz.
Auch was die Information zum Pavillon angeht (grundsätzlich 3x3m, erst ab 10 Personen 6x3m) ist es völlig egal gewesen.
Da war ich auf anderen Festivals unterwegs wo es um Welten strenger ablief!


Nun haben wir also den Campingplatz kennen gelernt, bereits etwas vorgeglüht, mal kurz auf der Tanze im Nachbarzelt vorbei geschaut und möchten es nun ordentlich krachen lassen.
Da sich nun der kleine Hunger regt, komme ich nochmal auf die Versorgung mit Nahrung zurück:
Es gibt im Bereich der Bühnen eine ganze Menge Stände und auch auf dem Campingplatz. Bei der Preisgestaltung kann man grob sagen das man auf unserem Stadtfestniveau nochmal 100% Zuschlag drauf wirft. Soll heißen Döner ab 6€, Stück Pizza ab 4,00€, Burger ab 4,50€ (Cheeseburger 5,50€).
Neben Bier für 4€ haben wir uns im Stagebereich auch mal einen Vodka-E für 7€ gegönnt. Ich habe ernsthaft danach gefragt ob man den Vodka später nachgeschenkt bekommt oder das da so sein soll?!


Bühne und Technik

Neben dem Zeltplatz erstreckte sich nun ein wirklich großzügiger abgesperrter Bereich, auf dem Insgesamt 4 Bühnen verteilt wurden.
Sehr positiv fiel mir hier der große freie Raum zwischen den einzellnen Bereichen auf! Daher kam es mir auch bei der Masse an Besuchern nie beengt vor. Alles verlief sich sehr angenehm.

Ich beginne hier mal mit dem kleinsten Bereich:
Second Stage
Ein wirklich traumhaft dekorierter gestalteter Tanzbereich. Ganz im Sinne des hier gespielten Hauptgenre "Goa".

Diese Bühne lag genau gegenüber der Mainstage, weshalb ich hier bereits mit Problemen bezüglich der von der Mainstage kommenden Lautstärke gerechnet habe. Allerdings ging das Beschallungskonzept sehr gut auf.
Man hat innerhalb einer 8-Punkt Anordnung jeweils einen Gerüstturm stehen gehabt. Darin befanden sich 4 Stück 218er und 4? Arraymodule. Alles wurde mittels Potest auf etwa 1m Höhe aufgebockt.
Wenn ich richtig gesehen habe wurde die gesamte Veranstaltung von "ProAudio Technology" ausgestattet. Demnach müssten die 18er die SW28 sein und im Hochton das VT20 Modul.
Es klang alles sehr natürlich und präzise. Im Mittelpunkt der Tanzfläche löschte sich der Bass merklich etwas aus. Aber das hielt sich auch hier in Grenzen.

Bezüglich der Lichttechnik gab es jede Menge LED Flat Pars für das Grundlicht, UV Kanonen und die üblichen Wackelköpfe als Spot und Washer. Für Effekte bei Nacht gab es etwas Videomapping und Lasersysteme. All in All empfand ich das Lichtkonzept sehr ausgewogen und nicht übertrieben schrill!

Q-Dance Stage

Das ist nun der Bühnenbereich mit dem ich am wenigsten zutun hatte. Hardstyle ist mir schlichtweg zu schnell :oops:
Daher kann ich hierzu auch nichts weiter sagen.
Im Grunde ist es die kleinere Version der Lion Stage des Festivals "Defqon".

Terminal Stage
Dieser Bereich befand sich nun im Zelt. Bezüglich des Genre liefen hauptsächlich sehr housige und minimalische Stile.
Sound:
- 2x9 VT20
- 2x6 VS18F geflogen in cardioider Anordung
- 36x VS18 als 3er gestapelte Zahnlücke, cardioide Anordung
Nach etwa 20 Metern noch ein Delay aus 3x Arraymodul pro Seite. Klanglich empfand ich es hier schon eher etwas schrill und brummelig. R&R wöllte ich über dieses System nicht unbedingt hören. Das kann natürlich auch an den akustischen Gegebenheiten des Zeltes liegen. Für House und Co. aber definitv genug!

Sehr positiv empfand ich hier jedoch das Lichtkonzept! Es wurde eben nicht stur ein Rechteck gebaut und daran alles hinein gehangen, sondern viel mit unterschiedlich großen Elementen an Truss gearbeitet. Dadurch bekam der eigentliche Raum wesentlich mehr Tiefe und man fühlte sich "mittendrin".
Das erste mal habe ich hier auch solche "LED Leisten Moving Heads" gesehen (ähnlich dem Futurelight Color Wave). Es ist nichts was ich unbedingt selbst haben wöllte, trotzdem in Formation sehr schön anzusehen!
Sonst gab es auch hier wieder die üblichen MH Washer und Spots, sowie eine große LED Panelanordnung hinter dem DJ. Diese hatte meiner Meinung nach einen viel zu großen Pixelabstand (geschätzt 10cm). Gerade wenn filmähnliche Animationen abliefen hätte ich mir hier schon etwas mehr gewünscht.


Mainstage
Der große Hauptbereich erstreckte sich auf genau 120m Breite und 30m Höhe. Jedes Jahr gibt es ein neues Ländermotto, wodurch wir 2016 bei Asien angekommen sind. Das Design der Hauptbühne erinnert stark an einen industriellen Wohngebäudestil. Oder nennen es wir einfach "Blockbauten". Viele der Leute mit denen ich da sprach hätten sich lieber ein Bauwerk ganz im Sinne des japanischen traditionellen Baustils gewünscht (z.B. Kohfuki-ji Pagode in Nara). Allerdings hätte das dann so gut wie keinen Bezug mehr zur neuen modernen elektronischen Tanzmusik, weshalb ich die Wahl eines industriellen Stils durchaus verstehen kann.
Folgende Daten der Bühne kann man der Website entnehmen:
- 120m breit, 30m hoch
- 50.000m³ Layer Gerüst
- 4800m² Dekorationsplatten
- 24 Lasersysteme
- 500 Lampen
- 100 Flame Jets
- 6000 Pyro Shots
- 12 Tonnen CO2
- 38 Stromaggregate

An Ton habe ich hier genau 4 Bannen in doppelter Anordung (VT20 ProAudio Technology) sehen können. Ich kann nicht genau sagen ob das 24 Module pro Array gewesen sind?! Es war jedenfalls ausgewogen und laut genug. Hier wurde auch auf das zusätzliche Delay verzichtet! Demnach musste das Array auch über 200m Entfernung tragen können. Das funktionierte hervorragend! Der Pegel war bis etwa 100m vor der Bühne ausgesprochen ausgewogen.
Für den nötigen Bass sorgten geschätzt 40 Stück Sw28. Wenn ich jetzt nichts durcheinander werfe dürfte das eine CSA Anordnung nach George Augspurger gewesen sein. Sprich die 18er wurden in einer Zahnlücke nebeneinander aufgestellt, wo in einem bestimmten Abstand direkt dahinter noch eine weitere Linie lag. All in All hatte man bereits am Eingansbereich schon ordentlich Druck in der Magengrube :D
Negativ viel mehr allerdings der zum Teil viel zu laut gefahrene Pegel auf. Die Hauptakteure bekamen teils noch ein paar mehr dB zugesprochen. Gerade bei Tiesto mussten wir dann ein ganzes Stück nach hinten gehen, da das Gefühl sämtlichen Ohrenschmalz aus den Gehörgängen heraus zu spülen einfach nicht aufhören wollte.
Am Rande fällt mir gerade ein das das Monitoring der DJs durchweg mittels JBL VTX umgesetzt wurde. Das mag evtl. am Rider der Akteure liegen, wer weiß 8)

Zum Licht weiß ich nicht wie ich das beschreiben soll. Viel hilft viel? Es war jedenfalls immens!
Ihr müsst euch einfach mal 1-2 Videos auf Youtube anschauen und selbst entscheiden was Ihr davon haltet. Ich empfand es zumindest der Größenordnung und der Musik passend angemessen. Gerade mit der enormen MH Anordnung hat man hier wirklich viele schöne Szenen auffahren können.
Die Laser gingen zum Teil schon stark unter der Lichtgewalt vom Grundlicht und der MH´s unter. Auch der Wind meinte es nicht immer gut wenn der Nebel gefahren wurde.
Trotzdem ist es all in all eine tolle Show gewesen. Der großzügige Einsatz von FlameJets und Pyrotechnik passte ebenfalls schön hinein.

Zum Abschluss gab es ein Feuerwerk mit Lichtshow. Wenn man dieses nun mit Parookaville vergleicht wirtd man sicher sehr entäuscht sein. Es ist wesentlich kleiner und nicht so sehr beeindruckend. Unter der Lichtgewalt der Bühne ging meiner Meinung nach auch einiges unter. Trotzdem war es eine willkommene Abwechslung mitten in der Nacht.



Pleiten | Pech | Pannen in der Veranstaltungstechnik

Es sollte klar sein das man als VT Hobbyist etwas genauer hinschaut. Aber was sich mir hier an Ausfällen geboten hat empfand ich schon als sehr sportlich.
Grundsätzlich hat für mich als Gast im Bereich Tontechnik alles wunderbar funktioniert. Zumindest konnte ich hier nirgends Defizite ausmachen.

Aber das Licht ... meine Güte wo fange ich an.
Hier und da haben sich mal einzellne LED´s verabschiedet. Da kam dann eben keine Lila Farbmischung sondern Blau heraus. Das geht zu verschmerzen und stellt eigentlich auch kein Problem dar.
An der Hauptbühne sind allerdings einige Sachen schiefgelaufen.
Ich hatte das Gefühl das wenn um so mehr Niederschlag auf die LED Wände fiel, sich vermehrt einzellne Pixel oder gar Sektionen verabschiedet haben. Der allererste Abend glich mehr einem großen Testlauf.
Beim Grundlicht gab es am ersten Abend nur 2 Flat Pars bei denen die Farbmischung nicht mehr hinhaute, diese ließen sich diese jedoch noch herunter dimmen. Später am Abend viel der gesamte linke Turm beim Grundlicht aus.
Als die Blinder eingeschaltet wurden viel auf das nur etwa 60% der Geräte funktionierten, alles andere blieb für den Rest der Nacht dunkel.
Hier und da reagierte ein MH nicht mehr, was aber bei der Masse an Geräten nicht wirklich ins Gewicht viel.

Am zweiten Abend viel gleich auf: Die Defizite vom Vortag wurden behoben. Grundlicht finktionierte, sämtliche MH´s in Funktion. Später am Abend verabschiedeten sich noch 1-2 Linien der Blinder. Es wurden dann mehr und mehr die Stroboskope als kurzfristige Blinder missbraucht. Kurz vor Schluss ist eine kleinere Sektion der LED Panels ausgefallen.

Am dritten Abend funktionierte von Beginn an eine 4er Linie der MH´s nicht mehr. Aber gut, viel nicht so sehr auf. Die beiden Flat Pars vom ersten Abend wollten auch nicht mehr und leuchteten nur noch in einer festen Farbe. Das Problem der Blinder trat an anderer Stelle auch hier wieder auf!
Ganz ärgerlich ist hier eher ein einziger Spot gewesen, dessen Shutter sich nicht mehr bewegen wollte. Es war ein MH direkt vor dem DJ. Ich weiß bis heute nicht warum die das Gerät nicht einfach abschalten konnten/wollten? Jedenfalls sah man so jeden Farbwechsel, bei jeder Positionsänderung der gesamten Linie leuchtete das Teil willkürlich umher und zum Teil eben auch direkt in die DJ Booth. Ich bin dann auch nicht mehr lange dabei geblieben und weiß daher nicht ob das Problem noch behoben wurde.

Und trotzdem muss ich dazu sagen das es die Stimmung der Gäste nicht beeingeflusst hat. Ob da nun der Spot oder die Pars nicht richtig mitmachen wollten viel entweder überhaupt nicht auf oder viel nicht zu sehr ins Gewicht!


Insgesamt war es ein wirklich schönes Festival mit vielen Höhepunkten und nur weniger Kritik :D

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