Portal » Oh, it's a Rave #2 - Wall of Bass

Oh, it's a Rave #2 - Wall of Bass

Bilder & Diskussionen von Veranstaltungen

Moderatoren: mich0701, Lars H

Beitrag Nummer:#1  Beitrag Do 16. Nov 2017, 20:22
stoneeh Verkabler

Themenstarter

Beiträge: 287
Renommee: -18


Diesen Beitrag bewerten:
  • 3

Da ich ja in meinem anderen Thread schon geschrieben hatte es gibt zu wenig VA-Berichte hier, mach ich selbst gleich weiter 8) Vor ner Weile hatte ich Gelegenheit auf diesem System zu veranstalten, das im SUB Wr. Neustadt verbaut ist:

Externes Bild
Direktlink in neuem Fenster

http://lambda-labs.com/de/wallofbass.html
https://www.youtube.com/watch?v=pdM57_C-OEE

Die Mittelhochtonsektion sind zwei Alcons QR36 pro Seite, angetrieben von den zugehörigen Alcons-eigenen Amps. Controlling Xilica XP-8080. Mischpult ein modernes A&H Digitalpult. Monitoring LL CX1A.


Video während des Warmups/Soundchecks: https://www.youtube.com/watch?v=_V9_Eux1iJA
Während des Events, ein Blick auf das Mischpult - Multiband-Kompressor am werken: https://www.youtube.com/watch?v=yYKmU9qY3no


Wie funktioniert das Konzept in der Praxis? Zuerst sollte man denk ich anmerken, dass hier drei Lautsprecherwege mit komplett unterschiedlicher Abstrahlung und Raumanregung werken.

Der Tief-&Nutzbass bis 100hz wird von der WOB wiedergegeben; (zmd laut Konzept) 100% gerichtet, unter Ausschluss von Raummoden.
Ich hatte das Messgerät mit, und der Tontechniker vor Ort war so nett mir einen Sinuston auf die Anlage zu legen; ich bin dann die ganze Länge der Location abgegangen, und es gibt bis zur Rückwand tatsächlich keinen Pegelabfall im Bass.
Aber, in der Realität gibt's doch, bis zu einem gewissen Grad, Raummoden. Alle paar Meter misst man einen Anstieg/Abfall von 3, 4 db. Das ist klar aufgrund des rückwärtigen Absorbers, der aufgrund seiner kleinen Dimensionierung (50 oder 60cm Durchmesser, falls ich mich nicht täusche; finde grad die Daten nicht mehr) seine Aufgabe nicht zu 100% erfüllt. Plus, wie man im Lageplan sieht, da hinten ist das FOH Pult und die Eingangstür - also der Absorber deckt vll grad mal 1/2 der Fläche der Rückwand ab.
Der Tontechniker war sehr offen und nett und hat alle meine Beobachtungen bestätigt; naja, er hat die Anlage ja auch nicht entwickelt, er betreut sie nur, also hatte er nix zu verteidigen :P

Der obere Teil des Bass, 100-200hz, und der Tiefmittelton, wird von den Tiefmitteltönern der QR36 wiedergegeben. Der Hochton kommt von den Bändchenhochtönern mit kleinem Waveguide der QR36. Die Alcons sind ca 5 Meter vor der WOB, am Übergang der Bühne zum Dancefloor, links und rechts direkt an den Seitenwänden angebracht (siehe Lageplan). Sie gehen ziemlich von Boden bis Decke, spielen also als Linienstrahler.
Der Kickbassbereich ist die ersten paar Meter vor den Alcons stark, und im Rest des Raums hat man halt grösstenteils nur den Tiefbass/Nutzbass der WOB. Ok, ganz abwesend ist der obere Bassbereich auch im Rest des Raums nicht, insb. auch dadurch, dass man durch die Linienstrahler-Anordnung der Tiefmitteltöner auf Distanz nicht soviel Verlust hat als bei einer einzelnen Schallquelle.
Mittelhochtonbereich ist mir subjektiv relativ gleichmässig vorgekommen im ganzen Raum.


Klang: die Vorteile der WOB sollten laut Theorie neben Pegel und Tiefgang die Präzision des Bassbereichs sein, die aufgrund von Elimination von Raumeinflüssen, der geschlossenen Bauweise der Basslautsprecher, der geringen Verzerrungen aufgrund des geringen Hubs, und des hohen Strahlungswiderstandes dem erreichbaren Optimum sehr nahe sein sollte.
Meine Meinung - der Sound gefällt, aber die Vorteile haun mich nicht vom Hocker. Im Nutzbass erkenn ich keinen Unterschied zu einem Stack guter/amtlicher BR-Bässe. Im Tiefbass merkt man schlicht und einfach das kürzere Ausschwingen - der Bass kommt zwar tief und mächtig rüber, aber trotzdem knackiger. Hört sich ziemlich so an, wie man es sich vorstellt, wenn man die Definition des Begriffs Gruppenlaufzeit liest. Also ja, man erkennt klar den Unterschied; aber subjektiv, zmd bei der elektronischen Musik, die ich höre, ist dieser korrekte Sound für mich nicht unbedingt besser. Das längere ausschwingen und der vollere Sound eines BR hat auch seinen Reiz. Soll jeder selbst entscheiden, was ihm besser gefällt!

Die Alcons hab ich eh schon gekannt, und haun mich auch in dieser Location nicht vom Hocker. Insbesondere vom Bändchen hätt ich mir eigtl was anderes erhofft - klingt nicht feiner oder sonst irgendwie besser als ein guter PA-Kompressionstreiber. Von HiFi-Bändchen / Folienhochtönern kenn ich es nochmal ne Ecke besser.


Pegel: muss man was dazu sagen? :D Ab einem Punkt, wo sich die Membranen der WOB ein paar mm bewegen, ist der Pegel beängstigend. Mein Phonic PAA3 war ziemlich auf Anschlag. Die Erbauer der Anlage übertreiben nicht mit der Aussage, dass mit 500w Veranstaltungspegel erreicht ist - mehr ist an dem Abend sicher nicht geflossen.
Die Alcons halten bis dahin ganz gut mit der WOB mit, wären aber klar der begrenzende Faktor.


Tiefgang: ich hatte mir extra ne Platte mitgenommen, bei der die Bassline zwischen 35 und 25hz schwankt. Tja, die Frequenzen waren da, aber recht beeindruckend isses mir nicht vorgekommen - auch nicht mehr auf als bei nem bei ~40hz abgestimmten BR-Subwoofer, bei dem halt unterhalb der Abstimmfrequenz noch ein bisl was mitkommt.
Den Tontechniker drauf angesprochen wurde offenbart, dass die Anlage im Eventbetrieb im Infraschall entschärft ist, da trotz Entkoppelung der WOB vom Rest der Location, Bassabsorber etc, derartige Wellenlängen zu den Anwohnern durchdringen. Hätte man sicher schnell auf linear stellen können, aber so wichtig war es mir dann nicht. Dass die Anlage Infraschall mit Pegel kann, muss man denk ich nicht überprüfen.


Ich hoffe der Bericht war interessant. Die VA, um die es geht, ist schon ne Weile her. Ich hatte damals nur einen kurzem Bericht dazu im PA Stammtisch des Hifi Forum verfasst gehabt, den bestimmt kaum wer von hier mitbekommen hat. Ich denke das war den extra Thread wert 8-)

Zum Rest: Lichttechnik war zufriedenstellend. Den Besitzer und der Rest des Personals hab ich als nett und entgegenkommend empfunden. Location hat Flair, Mietbedingungen empfand ich ok/realistisch (mehr kann ich aufgrund einer NDA nicht sagen). Wer die Gelegenheit hat, sollte mal dort anfragen - ist ne Erfahrung wert.

Beitrag Nummer:#2  Beitrag Do 16. Nov 2017, 20:26
MAD Verkabler

Beiträge: 225
Renommee: 10


Diesen Beitrag bewerten:
  • 0

Sehr schöner Bericht über ein interessantes Konzept, Danke dafür!

Beitrag Nummer:#3  Beitrag Fr 17. Nov 2017, 09:59
Andy78 Benutzeravatar
Stagehand

Alter: 39
Wohnort: Nähe Wittlich
Beiträge: 367
Renommee: 44


Diesen Beitrag bewerten:
  • 0

Dem kann ich mich nur anschließen!
Super und interessant geschriebener Bericht!
Gelesen hatte ich schon mal iwo von dem Konzept und Laden, aber keinen so ausführlichen Bericht mit sauberer Beschreibung, Messung und persönlichem Eindruck...
Danke!

:toptop:

Beitrag Nummer:#4  Beitrag Sa 18. Nov 2017, 20:50
isitone Benutzeravatar
Verkabler

Alter: 46
Wohnort: Riedtwil, Schweiz
Beiträge: 163
Renommee: 30


Diesen Beitrag bewerten:
  • 0

Genau, super Bericht, besten Dank dafür!
Das Projekt kenne ich soweit auch, allerdings nur in der Theorie. Spannend, dass mal jemand die Bude vor Ort erlebt hat und darüber ohne werbetechnischen Hintergrund berichtet.
Für mich neu, hatte dies auch bei der Animation nie registriert ist das geringe Volumen des rückwärtigen Absorbers. Dies ist in Anbetracht der gesamthaften Dimension und Aufwands eher enttäuschend :rolleye: ...
Auf der Animation ist auch nicht wirklich ersichtlich um welche Art von Bassabsorber es sich handelt. Bei der vermutlich geringen Absorber Tiefe würde sich da ggf. sogar ein Membranabsorber gegen über einem nur ca. 50-60cm dicken porösen Absorber besser eignen.
Sollte Markus da (Absorber) noch weitere Angaben machen können wäre dies sehr spannend. Wie auch immer, bei diesem Punkt bin ich nun ein bisschen enttäuscht, hätte da eher was in Richtung 3-4 Meter tiefem porösen Absorber (schwere Steinwolle z.B.) erwartet.

Dass da bezüglich Pegel trotz geschlossenem Subwoofer Prinzip einiges geht ist dank des gewaltigen Roomgains sehr gut nachvollziehbar... würde ich also sehr gerne hören, da in den nächsten Monaten bei mir im Keller ein ähnliches Projekt umgesetzt wird.

Spannend wäre auch zu sehen wie das System entzerrt wird. Könnte mir vorstellen, dass die Eingriffe nicht mehr so krass sind aber ganz ohne Anhebung untenrum wird's mit Sicherheit auch nicht gehen.

Für mich einfach nicht ganz in Relation zueinander nachvollziehbar ist der Umstand, dass bei der Herstellung der Subgehäuse mit tonnenweise Beton extremster Aufwand generiert wurde und der rückwärtige Teil mit der Absorption derart einfach und unterdimensioniert gehalten wurde.

Stoneeh, ich danke Dir :toptop:

Beitrag Nummer:#5  Beitrag Sa 18. Nov 2017, 22:02
isitone Benutzeravatar
Verkabler

Alter: 46
Wohnort: Riedtwil, Schweiz
Beiträge: 163
Renommee: 30


Diesen Beitrag bewerten:
  • 1

Vor einiger Zeit hatte ich bei uns im Süden, Langenthal / Schweiz ein Club (ehemaliges Kino)
http://www.oldcapitol.ch
audiotechnisch ausgestattet. Ist noch nicht fertig, die Subs fehlen noch, bzw. sind noch nicht final.

Zusätzlich habe ich die Jungs auch bezüglich der Innenakustik betreuen dürfen.

Beim obigen Beitrag habe ich mich ja bezüglich der Bassabsorbtion geäussert. Darauf beziehend hier einige Bilder von den akustischen Massnahmen welche in dem ehemaligen Kino umgesetzt werden mussten.
Überlege mir gerade, diesbezüglich bei Gelegenheit einen entsprechenden kleinen Bericht ins Forum zu stellen...

Speziell ist nun auch die akustische Behandlung des Loends mittels grossem porösem Absorber welche das komplette Volumen der Bühne innehat.
genau, werde da bald mal was berichten, aber ein paar Fotos schon mal vorab:
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Beitrag Nummer:#6  Beitrag Sa 18. Nov 2017, 22:44
stoneeh Verkabler

Themenstarter

Beiträge: 287
Renommee: -18


Diesen Beitrag bewerten:
  • 0

Thx Leute. Hat auch Spass gemacht darüber zu berichten ;)

Stefan, thx für die interessanten Fragen! Auf einen detaillierten Bericht der Kino- bzw auch deiner Home-Installation freu ich mich!

Die 50 oder 60cm Tiefe des Absorbers hab ich iiirgendwo mal gelesen gehabt, aber ich finde bei Gott den Link grade nicht mehr. Wie dem auch sei, ich verweise nochmal auf den Lageplan. Erstens mal sieht man, dass die Tiefe der Wand (die auch den Absorber beinhaltet) zum nächsten Raum gering ist. Ganz korrekt kann der Plan nicht sein, denn das wären ja nichtmal die angesprochenen 50, 60cm. Aber ja, ich hab mal kurz in das Lager reingeschaut, und das grenzt tatsächlich ziemlich direkt an den Dancefloor an - also Meter tief ist der Absorber mal definitiv nicht.
Ich war während des Events oft am FOH (filmen, mit dem Lichttechniker unterhalten, oder einfach von einer guten Position das Geschehen beobachten). Also 1/2m oder so hinter mir war der Bassabsorber. Und ich muss sagen, der Lichttechniker tut mir leid! Da hinten dröhnt es so dermassen! Besonders der Tiefbass "sammelt" sich dort hinten ordentlich - was auch logisch ist, da der Absorber wohl im Nutzbass bei kürzeren Wellenlängen seine Arbeit noch verrichtet, und bei niedrigeren Frequenzen zunehmend wirkungslos wird. Wenn der Absorber seine Funktion wie geplant bzw nach Konzept verrichten würde, wäre der Pegel dort nicht mehr als an einem anderen Punkt im Raum.

Wohl noch wichtiger - erstens ist dort hinten die Eingangstür zum Main Floor, wodurch der Absorber schonmal nicht über die ganze Breite der Rückwand geht. Zweitens ist vor dem Absorber ein erhobenes FOH Pult (durch eine Holzwand ggüber dem Dancefloor abgegrenzt), das nach meiner Erinnerung brusthoch ist, also ca 1,5m - ca die Hälfte der Raumhöhe. Also der Absorber deckt nicht mal 1/2 der Rückwand ab. Er könnte 100% effizient sein, wenn er nur über einen Teil der Rückwand geht, gibt's trotzdem Reflexionen/Raummoden.


Um einen Blick in den Controllersettings hab ich nicht angesucht. Ich bin eigtl eine möglichst nicht anmassende Person und hätte jegliches messen o.ä. komplett gelassen, wenn nicht der Tontechniker so offen und freundlich gewesen wär, und es mir quasi angeboten hat.

Dieser Post könnte aber für dich interessant sein.

Und hier gibt's weitere Berichte (und Diskussion/Spekulation) auf Basis einer Vorführung des Systems, u.a. im Infraschall.


Deine Kritik zum System teile ich. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten kann man halt schonmal nicht die Rückwand 100% als Bassabsorber ausführen. Man hätte zwar sicher noch umdisponieren können und den Eingang seitlich machen können, und auch das FOH anders situieren, aber so bedingungslos im Vordergrund wird die Soundqualität dann halt auch nicht gestanden sein. Ein erfolgreicher Club besteht ja nicht nur aus der Tonanlage.

Ich hätte hauptsächlich noch geschaut, dass der obere Bassbereich auch genauso stark und gut kommt wie der untere - da besteht die stärkste Ungleichheit des gesamten Systems.

Ich freu mich trotzdem auf jeden Fall dass wer sowas entworfen und gebaut hat und ich es hören durfte. War einfach sehr unspektakulär und korrekt und trotzdem saulaut und druckvoll - noch nie was mit ähnlichem Sound gehört, von den ganzen kommerziellen Systemen der grossen Hersteller über grosse DIY Horn-Wände etc.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu Veranstaltungsbilder / Berichte