Moin,
Ein paar kleine Fragen sind nach deiner sehr Ausführlichen Antwort jedoch trotzdem bei mir noch offen
je nach Geometrie und Position vom Port, brauchst du einen entsprechenden Korrekturfaktor für die Länge.
Runde Ports ohne direkt Wandnähe werden am längsten, während Bodenports am kürzesten werden.
Grund: Beim Bodenport werden 3/4 Portwände verlängert (durch Seitenwand und Boden).
Simuliert man diesen mit WinISD mit standard-Endkorrektion (0,732), kann man grob von Faktor 1,4 bis 1,5 (selten auch 1,6) ausgehen,
heißt du simulierst mit z.B. mit 14cm Portlänge, brauchst du in der Praxis nur maximal 10cm Länge.
Sitzt der Port neben dem Horn (MuFu typisch), werden nur 2/4 Wänden verlängert, hier passt oft 1,2 bis 1,3. Beim Eckport circa 1,3.
Ja, je nach Geometrie hat man andere Portgeräusche und Verwirbelungen, legt man diesen aber nicht zu knapp aus,
sehe ich da wenig Probleme, eher bei Bässen sollte man mehr Headroom lassen, bzw. Eckports bei Subs dürfen gerne etwas mehr Fläche haben.
Bei Topteilen hat man gerne das Problem, gerade bei kurzen Ports, dass man rückwärtige Schallanteile mit raus bekommt,
gerade wenn der Port zu nah am TMT sitzt. Das kann also beim kurzen Bodenport mal passieren,
wobei ich persönlich da eher Probleme mit Eckports (unter dem TMT) hatte.
Je länger der Port, oder auch je mehr Bedämpfungsmaterial (und vor allem weniger Parallele Wände), desto besser geht man solchen Problemen aus dem Weg.
Klar kann man sich hier einen Wolf simulieren bis man den perfekten Port hat, ich finde es aber schneller und sinnvoller hier einfach Try&Error
am Prototyp anzuwenden.
Bauen - Mikro dran - Messen - Umbauen/Anpassen.
Mit dem Tuning und dem Xover habe ich das hoffentlich richtig verstanden
Es kommt darauf an wie du die Kiste auslegst, als auch was du an Xmax nutzen willst.
Sagen wir du willst das Datenblatt Xmax nutzen, hast du schon Xlin + 1/4 HG, was oftmals Xlin+50% oder mehr entspricht,
der eine sagt "Das kann die Pappe, damit betreibe ich das Ding". In Klippel-Tests sieht man aber, dass die 10% Verzerrungen (oder starker Einbruch anderer Parameter) oft schon
genau ab Xlin, oder Xlin+20% erreicht werden.
Ich selbst gehe einfach auf Nummer-Sicher und simuliere mit Xlin+10%, selten mal 15%, für Bässe darf's auch mal 20% sein, oder bei Pappen mit wenig Belastbarkeit mal 5% oben drauf.
Da 18 Sound für den 10NMB420 aber keine Daten angibt, nur Xmax samt 1/4 Spalttiefe drauf, können wir (ohne Nachfrage) das Xlin nur abschätzen,
dieses wird vermutlich im Bereich 2,5mm liegen, mit 15% oben drauf landen wir bei 2,9mm. Damit simulieren wir dann.
Bei 20L@85Hz landen wir mit 350W bei genau 119Hz via LR24 auf besagter Auslenkung.
Die LR Filter liegen bei circa -6dB bei dieser Frequenz, heißt hier landen wir in der Theorie auch als akustische XO zum Subwoofer,
Simu sagt hier -6dB liegt sogar auf 113Hz.
Ein BW24 liegt dort nur bei -3dB, heißt dieser muss elektrisch höher angesetzt werden, bis Xlin15% simuliert müssen wir den BW24 bei ganzen 150Hz ansetzen,
-6dB liegt laut Simulation dann bei 127Hz. Bessel24 kann im Vergleich bei 105Hz angesetzt werden (-4 bis -5dB), bei -6dB lesen wir 108Hz ab.
Heißt laut Theorie, können wir je nach Filter akustisch zu Bässen im Bereich 108-127Hz ankoppeln (elektrisch 105-150Hz).
Wie das in der Praxis ausschaut ist dann wieder eine andere Sache, da wir oft ohne Bafflestep simulieren,
somit wandern die akustischen XO natürlich wieder eine Ecke nach oben, da unser Top nicht linear im Bass spielt.
Unsere Simulation für den Mindesthochpass passt dann zwar noch, aber die akustischen XO werden etwas nach oben wandern, je nach Frequenzverlauf.
Sinn macht es direkt mit einer Überhöhung von +4dB im Bass (guter Kompromiss) zu simulieren anstatt einem Linearen Verlauf,
falls man in der Praxis linear werden möchte.
Oder man simuliert direkt das Gehäuse und Bafflestep (bzw. im Vollraum statt Halbraum) mit.
Die Arbeit kann man sich mit etwas Erfahrung aber eigentlich sparen und einfach den "Trick" mit dem +4dB nutzen.
Wobei es am Ende oftmals eh besser klingt und in der Praxis allgemein besser ist (Ankopplung), wenn man einen leichten Rolloff nach unten weg hat.
Hier sind wir dann wieder bei: Grob simulieren - Messen - Hören - Anpassen
Ich habe auch noch ein paar Messungen gemacht. Bilder sind wieder in der Google drive Cloud(sind beschriftet)
Mache auf alle Fälle mal Nahfeldmessungen an dem TMT und dem Port und packe beide in ein Diagramm,
hier siehst du dann auch was aus dem Port noch alles mit raus kommt und auch ob das stören sein könnte oder nicht.
Impedanz solltest du ebenfalls noch messen um Stehwellen und Portresos zu finden.
Primär ist deine Portposition nur erst mal zwecks vertikaler Abstrahlung net so prickelnd (da Chassis weiter auseinander),
als auch muss er dort länger werden als am Boden oder der Seite (was bei dir eher doof wäre, zwecks dem breiten Horn).
Ich persönlich starte bei aktiver Beschaltung erst mal völlig ohne EQ und schaue wie und wo sich der Kram am besten
trennen lässt. Danach gilt: je weniger EQ desto besser.
Gerade wenn der Frequenzverlauf beim TMT nah oben hin ansteigt, versuche ich z.B. eher einen Bessel zu nutzen, statt via EQ zu begradigen.
Zudem sollte man versuchen, sofern möglich, nur negative EQ zu nutzen, schiebst du an einer Stelle nur +3dB rein, heißt das schon, dass bei
dieser Frequenz die doppelte Leistung reingeht (Außer ein EQ oder Filter drückt dort vorher eh schon Pegel weg).
Auf alle Fälle zu erst Nahfeldmessungen an Pappe & Port, gefolgt von Impedanzmessungen machen.
Warum? Da du hier evtl. Probleme hast, welche du mechanisch lösen kannst (Port umsetzen, mehr Dämpfungsmaterial, oder Gehäuseumbau/Umlenkbrett etc.)
und du jetzt evtl. unnötigerweise via EQ wegbügelst.
Gerade der Bereich 500-700Hz ist ein typischer Kandidat von Stehwellen im Gehäuse, Bereich 300Hz vom Port.
Wie schlimm das dann am Ende wirklich ist, muss man selbst entscheiden.
Gibt's nur einen schmalbandigen Einbruch und der Aufwand diesen wegzubekommen ist einfach zu groß, kann man damit problemfrei leben,
sorgt sowas aber für lange Ausschwinger, starke Überhöhungen, oder schaukelt sich sogar weiter auf, dann sollte man zwingend was dagegen tun.
Was aber nie gut ist: solche Löcher mit EQ auszubügeln (also kein positives Gain).
Du hast bei circa 580Hz einen Einbruch und direkt darüber eine Erhöhung, das wird sehr sicher vom Gehäuse kommen,
in einer Impedanzmessung erkennst du das dann sofort.
Das entspricht circa 58cm, ist dein Gehäuse circa so hoch? Dann baller ordentlich Bedämpfungsmaterial rein, vor allem an Deckel und Boden,
ansonsten kann auch ein Umlenkbrett unter dem Deckel helfen.
Evtl. wirkt sich das Problem sogar bis in de Bereich der XO etwas aus, so dass du darüber eh völlig andere EQ und Filter nutzen musst sobald das Problem behoben ist.
Da dein Gehäuse rechteckig ist, kannst du direkt mal über die Tiefe rechnen (Rückwand).
Sagen wir 35cm Innentiefe = Evtl. Probleme bei 480-500Hz.
Oder genau das ist schon das Problem statt der Gehäusehöhe, oder sogar beides
Kurzum: Erst Probleme finden und entfernen, dann erst beschalten.
Wenn man alles untersucht hat und genau weiß was sich warum wie verhält, dann kann man auch entscheiden was man wie löst
als auch ob oder welche EQ/Filter man nutzt.
Was du also jetzt machst:
- Impedanzmessung vom TMT
- Nahfeldmessung an Port und TMT
- Burst Decay vom TMT
Probleme gefunden und gelöst? -> Nochmals die gleichen Messungen.
Dann geht's an den HF.
Oder du machst dich zuerst an ein neues Gehäuse, sonst haste doppelte Arbeit

(Port verlegen und möglich wenig parallele Wände -> Trapezbauweise mit schräger Rückwand, oder eben klassische Mufu)
Hier beginnst du aber erst mit dem Tuning, bzw. Anpassung vom BR Port.