pogo hat geschrieben:Dirac Live Active Room Treatment lebt von unterschiedlichen Positionen der (Support-)Lautsprecher im Raum. Diagonal kann auch kontraproduktiv für eine Co-Optimization sein. Man muss hier die alte Denke überwinden. Auch ein potenter Fullrange Center kann supporten.
Subs diagonal war hier aufstellungsbedingt gegeben und auch dafür, dass es woanders als im Wohnzimmer weniger ballert
(offener Raum mit Esszimmer usw.),
was auch gut funktioniert hat mit manueller Einstellung.
Vielleicht hat dem ART nicht gefallen, dass die Bässe eignetlich sehr untypisch positioniert waren (1 ca 2m hinter der Front, um ne Ecke, 2ter Diagonal dazu, linke Raumecke hinter dem Sofa).
Das habe ich gut hingebogen bekommen, klingt super, sauber, trocken präzise und sacken tief, war aber bissel Gefrickel

Die Subs sind also auf maximale zeitliche Kohärenz am Hörplatz optimiert, perfektes Impulsverhalten also.
ART versucht hier nun aber den hinteren Sub für die Auslöschung (z.B. als Antidröhn, was ich selbst aber schon EQ't habe) zu verwenden,
somit wird Delay, Gain etc. verbogen und das Impulsverhalten leidet darunter logischerweise, was man vor allem bei knackigen Bässen direkt hört.
Eingeschaltetes ART (also Tops dazu) machte den Bassbereich noch wesentlich verwaschener und auch so gut wie nicht "dicker".
In beiden Fällen (ART konfiguriert 2ten Sub, als auch nur die Tops) wird, einfach ausgedrückt, "Gegenschall" erzeugt,
was evtl. auch zu längeren (anderen) Nachschwingern im Raum führen kann, oder unerwünschten zusätzlichen Obertönen,
weniger Impulstreue als auch eventuell höhere Gruppenlaufzeit
(obwohl es diese verringern soll, aber wir müssen einen breiten Frequenzbereich betrachten und andere Hörpositionen)
Tops für Basserweiterung, oder auch zum Auslöschen, kann unnatürlich klingen. Warum?
Die Tops können lange nicht so tief spielen wie die Subwoofer, ganz klassisch haben wir dann eine Verteilung der Membranfläche
von klein bis groß zu tiefen Frequenzen hin.
Schaltet ART nun die Tieftöner der ganzen Tops mit hinzu, ergeben sich folgende Probleme:
- Wir haben dann in einem kleinen Frequenzbereich (Z.B. 60-90Hz) eine insgesamt viel größere Membranfläche als in den Bereichen darunter und darüber.
Das klingt nicht nur komisch, sondern auch Impulsverhalten und Gruppenlaufzeit leiden darunter oftmals enorm. (Dafür steigt die Dynamik)
Intermodulationsverzerrungen steigen enorm, da den Tops Hub abverlangt wird.
- (3) Durch den Abstand der Tops bekommen wir Interferenzen, sprich Kammfiltereffekte im Bassbereich mit dazu, also an einigen Stellen im Raum
mehr Bumms und an anderen weniger, aber nur in diesem einen Frequenzbereich (je nachdem wie ART die Bässe nun separat steuert).
Art will das aber eigentlich verhindern und nur per Bässe Moden auslöschen, ob und wie gut das in der Praxis dann geht, ist erstma dahingestellt, da es beides gleichzeitig will.
- Bei einem Sub-Sat-Setup (Sub läuft immer mit) haben wir natürlich dann ein riesiges Problem mit solch einer Funktion,
da es uns die Ankopplung an den/die Subs völlig verballert. Das merkt man dann, wenn Musik/Signal genau im Bereich der Summe spielt.
Einfache Rechnung zu Punkt (3): Wellenlänge/2 -> Abstand der Tops.
Sagen wir, wir haben einen Center dabei, verringert sich der Abstand der Fronts zueinander von 3,5 Meter auf 1,8 Meter.
Das entspricht dann 95Hz ab wann es volle Auslöschungen gibt, kleinere bereits ab Lambda/4 = 48Hz, circa 3dB Auslöschungen am Lambda/3 (64Hz),
der Raum + Raumwinkel trägt dann noch sein übriges hinzu.
Wenn ART hier gekonnt mit Filtern spielt um Kammfilter zu vermeiden, ist das super, kann aber eben auch alle genannten anderen Probleme mit sich ziehen.
Je tiefer alle anderen Lautsprecher im System spielen können, desto näher alle beieinander, desto besser wird solch eine Funktion arbeiten und vor allem wirken.
Primär soll ART ja Stehwellen und Moden reduzieren, heißt es macht eigentlich erst Sinn, sobald die Frontlautsprecher (und Rest) genau so tief spielen
können wie die Moden. Ergo: ART macht erst Sinn mit richtig potenten Lautsprecherboxen, als auch in einem System was die Subs als reine LFE benutzt.
- Wenn die Topteile immer unterstützen/Moden säubern, leidet eigentlich der Klang darunter, gerade bei 2-Wege oder hoch getrennten 3-Wegern.
Denn je weniger Hub (Arbeit im Bass), desto sauberer spielt der Bereich darüber (u.a. Intermodulationsverzerrungen).
pogo hat geschrieben:Das geschieht über den Superspeakeransatz. Das MIMO-Prinzip kann ihren Einfluss am Hörplatz kompensieren/minimieren.
Das kann es ja nur im Bass, bzw. Raumresos. Keine Resos von der Box/Gehäuse selbst.
Nachteile/Probleme habe ich weiter oben ja schon genannt.
MIMO will ja, dass am Hörplatz alles zeitrichtig eintrifft, aber das geht leider nicht für alle Frequenzen gleich gut.
Zudem führt es natürlich immer dazu, dass es an anderen Hörpositionen entsprechend schlechter oder gar gegenteilig wirken kann.
Auch verfärbt es den Grundton, bis zum Bassbereich.
Klar, im Bassbereich ist das mit dem Direktschall nicht so tragisch, dennoch trifft dieser quasi nicht zeitrichtig im Ohr ein, sondern nur die "Korrektur".
Die gnaze DIRAC Geschichte kostet idR. massiv Latenz.
Beim Musik-Hören kein Problem, wenn der TV Latenzausgleich hat, ebenfalls kein Problem,
aber wehe da sitzt ein Gamer vor dem System
Nochmal zum Abschluss:
Ich säubere damit den Raum von Moden oder Resos im Bass, die dann zeitrichtig am Ohr ausgelöscht werden.
Bekomme dafür aber ein "verbogenes" Direktschallsignal.
Beides Zusammen macht den gefühlten Bass dann extrem untreu im Impulsverhalten;
gerade der flotte Punch und Oberbass verfärbt, dafür ist der ganz tiefe Wobbelbass gefühlt sauberer, da der Nachhall/Decay in diesem Bereich minimalisiert wurde.
Das ist dann genau das, was im Netz in Verbindung mit solchen Systemen dann "digitaler" oder "künstlichen Bass" genannt wird.
Fazit: Das Ausschwingen wird kürzer, es klingt trockener, dafür leidet die Impulstreue und das Originalsignal verfärbt.
Was einem dann besser gefällt, bleibt am Ende reine Geschmackssache. Filmliebhaber bevorzugen wohl ersteres, Musikgenießer Letzteres.
Kurzum:
Alles hat seine Vor- und Nachteile. Hier muss man genau abwägen.
Das Allheilmittel, wie es oftmals dargestellt wird, gibt es nicht. Lautsprechergeschichten bleiben immer ein Kompromiss.
Aber interessant ist die ganze Geschichte natürlich und wird auch von Jahr zu Jahr besser.
Irgendwann sind wir so weit, dass das nahezu perfekt alles klappt:
3D Handscanner 8oder Handycam) und den ganzen Raum virtuell erfassen, alle Lautsprecher genau eingeben, alle Reflexionsfreien Messschriebe einpflegen
und dann eine vollautomatische Simulation mit allem drum und dran, samt Tipps zum Umstellen/der Aufstellung/Ausrichtung.
Samt Auflisten der Vor- und Nachteile, welche man in kauf nehmen möchte und welche nicht.
CJoe78 hat geschrieben:
Ich finde das interessant, da es ja ein regelrechtes Statement gegen Highendgeräte ist. Und das durchgehend. Da hätte ich von einer Storm etwas mehr erhofft.
Es scheint ja nichts anderes zu sein als das, was man sieht. Ein virtueller Kanalmixer für das Heimkino mit haufenweise Filtern, bekannt aus der Musikproduktion.
Das Dirac so schlecht abschneidet ist verwunderlich, zumal die ART-Gegenschallgeschichte ein unglaublicher Hype ist und auch in der Szene sehr gut angenommen wird.
Ganz so krass würde ich das jetzt nicht ausdrücken.
Ich sagma DIRAC und die ganze Geschichte ist ja nicht grundsätzlich schlecht, das kann auch geil sein
und gerade für Leute die nicht Messtechnisch versiert sind (ich würde behaupten, dass dies im HiFi Bereich eh nur ne Hand voll sind).
Nur ist es eben nicht das "ich drück nen Knopf und alles is Perfekt", wie es manche darstellen.
Ein großes Problem ist, wie ich finde, dass Hersteller dem Kunden keine Nachteile nennen sondern dem Kunden nur Vorteile und perfekte Arbeit verkaufen,
nicht jeder kann und will sich in solche Themen reinfuchsen.
Die Stormgeräte sind schon geil, der Preis geht hier auch hoch, da es bei weitem keine Massenware ist.
(Was verkaufen die pro Jahr, 1000 Stk. vom Core16? Da hängste im Pro-Audio Sektor mal mindestens eine 0 je Gerät dran, bei manchen sogar x20
und das obwohl's 100 Verschiedene Geräte und Hersteller gibt. Viele dort stellen auch OEM eher, was die Zahlen nochmals massiv steigert. = Es wird wesentlich günstiger)
Auch kosten die ganzen Lizenzgeschichten (Tonformate wie Dolby, DIRAC etc.) richtig Kohle.
Toll wäre, wenn man sich das Grundgerät zum günstigen preis schnappen könnte und kauft sich die Geschichten als Modul dazu, welche man benötigt,
das wäre schön flexibel und ist am Ende doch primär heute nurnoch Softwaregeschichte.
Wenn ich überlege, dass die kleinen 500€ AVR schon so extrem viele Formate und Lizenzgeschichten haben und können,
kann das bei solch einem Gerät eignetlich ja auch nicht mehr sooo viel ausmachen preislich?!
Klar, gute Wandler und Preamps kosten ihr berechtigtes Geld, aber man muss es auch nicht übertreiben wie ich finde.
Aber so gibt's eben ein bekanntes All-In-One-Gerät, was zugleich noch HighEnd ist. Plug'n Play.