[Projekt] Projekt Raumakustik (Partyraum/Sauna/Abhörraum)

Allgemeine Diskussion zum Thema HiFi, auch Raumakustik

Moderator: Stefan.S

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#1

Beitrag 11. Jan 2023 15:00

Moin an die Runde ...

nachdem ich in den letzten Jahren nur passiv mitgelesen habe und wenig Zeit hatte Projekte öffentlich zu dokumentieren möchte ich mich mal wieder mit einem Projekt zurückmelden.

Aktuell geht es, und ich denke das könnte sehr viele interessieren, um das Thema Raumakustik.

Vorneweg:
oftmals ist es so, dass Hifi oder kleine PA-Anlagen in privaten Räumen betrieben werden und das unter mehr oder weniger teilweise katastrophalen akustischen Bedingungen. Sicherlich ist es dem Einen oder Anderen schon so ergangen, dass er eine Anlage Outdoor gehört hat, dann in seinen Keller- oder Partyraum stellte und sich dachte wie kacke klingt das denn plötzlich.

Ich bin in der komfortablen Situation einen separaten Komplex mit Partyraum, Schlagzeugraun, Sauna und Dusche/WC zu besitzen. Im November 2022 habe ich den Partyraum etwas umgestaltet und in diesem Zusammenhang begonnen eine Anlage für diesen zu bauen.
Hierbei handelt es sich um ein 2.1 System bestehend aus zwei Topteilen und einem Bass.

Hier setzt jetzt mein aktuelles Projekt an, denn die Akustik ist für mich unerträglich.

Um sich einen ersten Eindruck zu machen hier ein paar Bilder von den vorderen Räumen:
PRunbehandelt1.jpg
PRunbehandelt2.jpg
PRunbehandelt3.jpg
PRunbehandelt4.jpg
PRunbehandelt5.jpg
PRunbehandelt6.jpg
Was sind die Probleme ?:

Wie man erwarten kann habe ich ein Problem mit Wand- und Deckenreflektionen bei den Topteilen. Alles klingt im Raum sehr harsch - "S" und "Sch" klingen in der Sprachwiedergabe extrem schrill, E-Gitarren können im Extremfall sogar nerven. Zusammengefasst für die Mitten und Höhen eine sehr undefinierte, räumlich verzerrte Auflösung ohne Details.
An Silvester waren mehrer zu Besuch und waren begeistert von dem was da steht, aber für mich, der weiß was die Anlage kann ist es depremierend, denn ich bin mir bewußt dass ich zu 50% den Raum höre, nicht die Anlage.

Messtechnisch ist festzustellen dass ich Probleme zwischen 1.000 und 5.000 Hz habe und das gepaart mit einem Nachhall von bis zu 900ms.

Im Bass ist es natürlich nicht besser.

Da der vordere Partyraum über einen Durchgang und ein innenliegendes Fenster über geht in den mittleren Raum (Schlagzeug/ich bin mal betrunken Bett) ergibt sich hier schon eine Raumtiefe von 10 Metern und viele Raumecken.

Akustisch ist im Bass das Hauptproblem eine Mode bei rund 30Hz die ca. 15dB ausreißt, mehrere Auslöschungen zwischen 100Hz und 200Hz und eine je nach Abhörposition extrem unterschiedliche Basswiedergabe.

Jetzt zu meiner geplanten Vorgehensweise:

Es werden 5 Breitbandabsorber auf Basis von Steinwolle gebaut. Einen jeweils seitlich vom Topteil an die Wand und einen jeweils über dem Topteil an die Decke. Der 5. Absorber kommt mittig im Raum über dem Bass an die Decke.
Hiermit denke ich den Difusschall oberhalb von 300Hz schon gut in den Griff zu bekommen.
Hinter dem Schlagzeug werde ich die komplette Wand mit einem langflorigen Teppich verkleiden, denn diese wird durch den Durchgang von einem Topteil direkt angestrahlt, für Absorber ist hier aber kein Platz.

Der Größte Aufwand wird darin bestehen den Frequenzbereich zwischen 20 und 200 Hz in den Griff zu bekommen. Für Bassfallen in den Raumecken ist nicht ausreichend Platz und mit Bassfallen von 30x30cm raumhoch komme ich bei 4 Stück auf nichteinmal 1m³ Dämmaterial - das ist vermutlich viel zu wenig.
Daher habe ich mich dazu entschieden die komplette Trennwand zwischen Partyraum und Schlagzeugraum als Absorber auszugestalten, was sich positiv auf die axialen und tangentielen Moden auswirken wird.
Hierzu werde ich die Glasscheibe aus der Zwischenwand entfernen, Richtung Partyraum eine offene Ständerkonstruktion mit einer Tiefe von 30cm und Richtung Schlagzeugraum von 10cm installieren. Die komplette Wand wird dann (auch der Wanddurchbruch des Fensters) mit Steinwolle offen ausgedämmt. Hierfür habe ich mir gestern 4m³ Steinwolle besorgt.

Um nun den Wandabsorber akustisch so offen wie möglich zu gestalten denke ich gerade darüber nach die Wand mit Molton abzuspannen.
Teppiche habe ich mir auch schon angeschaut, jedoch ist die Trägerschicht bei m²-Preisen unter 10€ viel zu hart, was für meinen Einsatz kontraproduktiv wäre.

Was meint Ihr ?
hat jemand ein ähnliches Projekt durchgezogen und kann seine Erfahrungen teilen ?

Werde die einzelnen Schritte mit Messungen dokumentieren um einen Vorher- Nachhervergleich erstellen zu können.
MfG
Frank




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#2

Beitrag 11. Jan 2023 19:34

Hi frank, schau Dich mal bei Jochen Schulz im Blog um, da findest Du gute Tipps.

https://www.jochenschulz.me/de/blog

#3

Beitrag 11. Jan 2023 21:04

criwo hat geschrieben:
11. Jan 2023 19:34
Hi frank, schau Dich mal bei Jochen Schulz im Blog um, da findest Du gute Tipps.

https://www.jochenschulz.me/de/blog

Hi,
danke Dir. Den Blog kenne ich bereits - sehr gut gemacht.
Was mir hier immer noch im Hinterkopf hängt ist das Thema "Holzdecke abbauen und die komplette Decke als Absorber neu aufbauen".
MfG
Frank




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#4

Beitrag 16. Jan 2023 15:16

Messungen vom Ausgangszustand:

Um die Thematik besser einschätzen zu können habe ich am Wochenende von jeder Box eine Rohmessung (ohne EQ & Filter) an vielen Messpunkten vorgenommen und an vier relevanten Messpunkten dokumentiert.

Als Messpunkt habe ich festgelegt:

1. Die Raummitte des Partyraumes stehend Ohrhöhe
2. Der Abhörplatz (auf der Couch sitzend in Ohrhöhe im Stereodreieck)
3. Die Raumecke über dem Tisch (PC & Endstufen)
4. Die Raumecke an der Tür zum Schlagzeugraum

alle drei Lautsprecher wurden roh gemessen, ohne EQ und ohne Filter, die Topteile haben lediglich eine passive 12dB Weiche. Auf alle Filter und EQ`s habe ich verzichtet, da ich festgestellt habe, dass bei einer solchen Messung der RAUMAKUSTIK die Ergebnisse unter Verwendung von EQ`s stark beeinflusst werden und weniger aussagekräftig oder irreführend sein können.
Der Messpegel ist auf allen Lautsprechern exakt identisch und entspricht gehobener Zimmerlautstärke um die Moden und die Nachhallzeiten unter reellen Bedingungen abzubilden.
Die Kantenglättung aller Plott´s beträgt 1/48, also nichts verschönt.



1. Messung Raummitte:
Raummitte.jpg

Top LINKS
Raummitte Top links.jpg
Raummitte Top links WF.jpg

Top RECHTS
Raummitte Top rechts.jpg
Raummitte Top rechts WF.jpg

BASS
Raummitte Bass.jpg
Raummitte Bass WF.jpg

in der Messposition Raummitte ist der Klangeindruck am besten und überwiegend ausgewogen.
Hier ist zu sehen dass Moden recht gering ausgeprägt sind, lediglich die Nachhallzeiten versauen die Freude am ernsthaften Musikhören deutlich.



2. Messung Abhörplatz:
Couch.jpg

Top LINKS
Abhöre Couch Top links.jpg
Abhöre Couch Top links WF.jpg

Top RECHTS
Abhöre Couch Top rechts.jpg
Abhöre Couch Top rechts WF.jpg

BASS
Abhöre Couch Bass.jpg
Abhöre Couch Bass WF.jpg

in der Messposition Abhörplatz Couch prägt sich die Mode um 35Hz deutlich aus. Der Nachhall derer steigt drastisch an. Der Frequenzgang zwischen 100 und 200 Hz wird hörbar unruhig. Die tonale Balance leidet deutlich.



3. Messung Raumecke Durchgang Schlagzeugraum:
Raumecke Tür.jpg

Topteil LINKS
Raumecke Tür TOP links.jpg
Raumecke Tür TOP links WF.jpg

Topteil RECHTS
Raumecke Tür TOP rechts.jpg
Raumecke Tür TOP rechts WF.jpg

BASS
Raumecke Tür Bass.jpg
Raumecke Tür Bass WF.jpg

in dieser Ecke verschieben sich die Bassmoden etwas im Vergleich zur Couch, allerdings steigt der Pegel im Bereich 80-150 Hz stark an, was sich akustisch deutlich bemerkbar macht.


... weiter gehts im nächsten Post ...
MfG
Frank




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#5

Beitrag 16. Jan 2023 15:53

.... Fortführung ....



4. Messung Raumecke Tisch
Raumecke Tisch.jpg

Topteil LINKS
Raumecke Tisch TOP links.jpg
Raumecke Tisch TOP links WF.jpg

Topteil RECHTS
Raumecke Tisch TOP rechts.jpg
Raumecke Tisch TOP rechts WF.jpg

BASS
Raumecke Tisch Bass.jpg
Raumecke Tisch Bass WF.jpg

an der Messung über dem Tisch fallen die Bassmoden am stärksten aus. Auch die Nachhallzeiten übersteigen die Grenze von einer Sekunde. Kurzum: hier ist am meisten Aktion, aber auch die beste Möglichkeit dem Raum durch Absorbtion Energie zu entziehen.




Auswertung Teil 2 - Overlay´s

um für mich besser zu sehen in welchen Bereichen der Raum den größten Einfluss auf meinen Frequenzgang hat habe ich mir Overlay´s der vier relevanten Messungen zu jedem einzelnen Lautsprecher erstellt:


Overlay Topteil LINKS
Overlay TOP links.jpg

Overlay Topteil RECHTS
Overlay TOP rechts.jpg

Overlay BASS
Overlay BASS.jpg


Was bei dieser Betrachtung auffällt, ist dass der Raum auf den Frequenzgang den meisten Einfluss im Bereich von 20 bis 500 Hz hat. Hier ergeben sich Pegeldifferenzen von bis zu 30dB, was einer Wahrnehmung der achtfachen Lautstärke entspricht.
Darüber kämpfe ich überwiegend mit dem Nachhall des Raumes.




Konsequenz der Auswertung:
1. Die Trennwand zwischen Partyraum und Schlagzeugraum wird mit bis zu 40cm Steinwolle abgedämmt - der Platz ist hierfür vorhanden und die Messungen zeigen dass hier das größte Potential auf Erfolg besteht.
2. Die Holzdecke wird abgebaut und ein neuer Deckenaufbau mit Steinwolle realisiert. Der begrenzende Faktor der Dämmstärke wird das Ofenrohr - aber viel hilft hierbei viel.
3. Die Wand und die Decke wird nicht mit Molton, sondern mit Akustik-Noppenschaum geschlossen um den Nachhall noch weiter zu reduzieren.



Werde dann das selbe Mess-Prozedere durchführen um den A-B Vergleich erstellen zu können.
MfG
Frank




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#6

Beitrag 18. Jan 2023 16:20

... alles zerstört ...

Zerstört.jpg

... jetzt geht´s wieder in die andere Richtung :ugly:
MfG
Frank




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#7

Beitrag 30. Jan 2023 13:56

hier der aktuelle Zwischenstand:


Habe den Raum ausgeräumt und die Holzdecke demontiert,
1.jpg


anschließend eine Vorwand aufgebaut und die Deckenkonstruktion neu abgehängt,
2.jpg


das Glas ausgeschlagen und die Elektrik neu gemacht,
3.jpg


6m³ Rockwoool in Decke und Wände eingebracht,
4.jpg


anschließend die Konstruktion mit einer hauchdünnen Folie geschlossen.
5.jpg
6.jpg



Heute wurden 56m² Noppenschaum geliefert.
Muss jetzt die Wände noch mit Farbe nachstreichen und den Noppenschaum an Wand und Decke anbringen.
Danach kann eingeräumt werden und die nächsten Messungen folgen.
MfG
Frank




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