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Limmer 042 / P2 die nächste

Diskussion über Chassis, Hörner, Gehäusearten, Weichenteile, Verkabelung und deren Reparatur

Moderatoren: Moderation DIY, Bereichsmod

#85

Beitrag von David »

Da es kein 042C mehr gibt - Ich hätte noch zwei 3D gedruckte Rückkammern für den Ciare am normalen 042 abzugeben.

Alternativ geb ich die 3D Files auch gern weiter - sobald die beiden übrigen Plastikschalen weg sind :D

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#86

Beitrag von *xD* »

Moin zusammen,

mittlerweile ist alles da und soweit zusammengebaut - die erste Messsession ist soweit durch. Auch für die Unbelehrbaren - der DE 360 braucht definitiv einen Adapter, egal welchen Schraubenkopf man verwendet... :P

Auf Abstrahlungsmessungen wurde verzichtet, da die vorliegendem vom Datenblatt ausreichend sind zur Bewertung.
Impedanz TT.png
Ermittelte Tuningfrequenzen in WinISD liegen zwischen ziemlich und völlig daneben - letztendlich ist vom Kanal nur noch die Frontplatte übrig geblieben und selbst da wurde dann noch "weggeschnitzt" was ging. Am Ende liegt das ganze nun bei rund 58Hz - tiefer als eigentlich angepeilt - aber nunja, dann tut das ganze notfalls auch als FR-Box mit einigermaßen tiefer Basswiedergabe. Etwas irritierend war die Tatsache, dass auch das Einbringen von Noppenschaum die Tuningfrequenz senkte - meiner Auffassung nach hätte das Gegenteil der Fall sein müssen, daher musste ein Kompromiss zwischen Abrutschen des Tunings und Bedämpfung der Stehwelle bei 200Hz (Boden-Deckel) gefunden werden.

Hier einmal nur die 3 einfachen Messungen, Abstand ca. 4,3 m als reine Freifeldmessung so hoch das Stativ reichte, mittig vor dem MT. MT und HT sind reflektionsfrei, TT entsprechend nicht, daher auch mit ein paar Dips die sich aber gut nachvollziehen lassen. Für eine Pegelkalibrierung war ich zu faul - der relative Vergleich passt aber. Der Ciare zeigt ziemlich genau den erwarteten Verlauf - somit ist anzunehmen, dass die -5db Linie in etwa 105db 1W/1m entspricht. Der HT mit sehr schönem Verlauf kommt somit auf etwa 110-112db im relevanten Frequenzbereich - der mit 8mm doch etwas dickere Adapter aus Holz scheint sich nicht nennenswert negativ auszuwirken, was auch der Klirr später noch zeigt. Auffallend ist auch der sehr hohe Wirkungsgrad des Beyma gerade im Bereich 300Hz - 1khz, was ihn in Verbindung mit seinem geringen Gewicht auch für pegelstarke 15"/1,4" Topteile interessant macht. Trotz dem akustischen Loblied sei einmal eingeschränkt, dass die mechanische Verarbeitung des Chassis nicht wirklich dem entspricht, was man in der Preisklasse erwarten könnte, so ziemlich alle anderen Hersteller die ich bisher in der Hand hatte waren besser verarbeitet. Nunja...
Rohmessungen.png
Der Vergleich der Impulsantworten zeigt, dass die SEO ziemlich exakt auf einer Linie liegen.

Versatz MT - HT.png
Versatz TT - MT.png
Impedanz des Ciare im Vergleich free-air zu Flare + bedämpftem Gehäuse.
Impedanz MT Vergleich mit und ohne Flare.png

Interessant wird das Ausschwingverhalten. Der Ciare bleibt bis rund 3khz "sauber", darüber hinaus entstehen erste Reflektionen. Der B&C ist außer bei 10khz herum unauffällig - aber auch da unbedenklich.
Ausschwingverhalten MT.png
Ausschwingverhalten HT.png

Neben dem Ausschwingverhalten besonders interessant sind nun die Verzerrungsmessungen. Mit Rücksicht auf das Chassis wurde eher konservativ gemessen - damit die Bewertung dennoch aussagekräftig im Hinblick auf die spätere Verwendung ist, mit 3 verschiedenen HP-Filtern.
Der jeweilige HP-Filter ist unten vermerkt, dazu der Messpegel ggü. 1W (Messpegel +20db = 100W).

Der Ciare kann doch ziemlich laut und ist im Mittelton mit 100W noch lange nicht am Ende. Auch bei der spannenden Frage, wie es im Bereich um 500Hz herum aussieht gibt es Entwarnung - "unangenehm" wird es dem Chassis erst unter 350 Hz, die verhältnismäßig hohe Trennung der Originalweiche hat also nichts damit zu tun, dass der Ciare bei 500Hz entlastet werden muss. Mehr dazu weiter unten.
Insgesamt kann man aber sagen, dass sich dieses eigentlich uralte Chassis immer noch auf einem sehr hohen Niveau bewegt - was man ja auch daran sieht, dass ihm definitiv nur der Beyma 6MCF200Nd den Rang streitig macht (ein Chassis, das fast so viel wie die ganze restliche Kiste kostet und dazu rund 20 Jahre neuer ist!)
Klirr Ciare.png
Klirr Ciare 2.png
Klirr Ciare 3.png

Der Vollständigkeit halber noch der HT, auch wenn der erwartungsgemäß eher nicht "ins Schwitzen kommt", da er ja entsprechend hoch getrennt wird. Die Messungen bei niedrigerem Pegel wurden gemacht, habe ich aber hier weggelassen - das Bild ist wie zu erwarten (recht hoher K2 auch bei niedrigerer Leistung, k3 klirrarm). Für eine Trennung unter 2khz ist der DE360 wie zu sehen eher nicht oder wenn dann nur in kleinen LS geeignet - in der 3-Wege Konstellation passt er aber gut rein und bleibt selbst bei 60W noch im Bereich von 1% k3. Da er insbesondere im Superhochton sowohl klirrarm wie auch ohne Nachschwinger ist kann man hier guten Gewissens etwas "Glanz" einziehen (zumindest für die, die noch so hoch hören... :P )
Klirr B&C.png
Klirr B&C 2.png
Den Beyma habe ich mir gespart, da er ohnehin gesetzt ist und keine für die Entwicklung zu berücksichtigenden Erkenntnisse gewonnen werden.


... Nun zum Thema Weichenentwicklung - dazu auch nochmal der Vergleich der akustischen Phase von MT und HT. Mehrere Faktoren sollen bzw. müssen berücksichtigt werden:
- Die recht große Überschneidung von MT und HT soll optimiert werden ggü. der Originalweiche
- Der MT soll einen größeren Frequenzbereich abdecken - dabei muss ein Kompromiss gefunden werden zwischen akustischer Ortung und den leichten Ausschwingungsverzögerungen nach oben hin
- gleichzeitig kann der MT sinnvoll nach unten hin mehr übernehmen - dabei muss aber berücksichtigt werden, dass eine Entlastung zu tiefen Frequenzen hin verstärkt erfolgen muss. Insbesondere "gefährlich" ist das, weil die Resonanzfrequenz in den Bereich der Trennfrequenz rückt - die Originalweiche ist da "gerade noch so" drum herum geschifft.
Phase HT - MT.png
Kurz nur für weniger versierte Mitleser der Hinweis: Die Originalweiche der P2 und auch P3 ist von Herrn Limmer sorgfältig durchdacht und stellt für die gängige Anwendung eine gute und praktikable Lösung dar ebenso wie die Bestückung - es soll sich hier auch um keine Kritik handeln. Gearbeitet wird hier im Bereich der letzten 5-10%, die auch überproportionale Kosten verursachen - das ist ein Kompromiss, den nicht jeder zu tragen bereit ist - daher ist die Originalweiche für die Masse der Anwender auch "genau richtig" so.

Einmal "auf die Schnelle" etwas zusammengeklickt. In passiver Ausführung zeigt sich beim Aufbau der Originalweiche in der Simulation schnell, dass die Impedanzspitze der Resonanzfrequenz kompensiert werden muss - ansonsten wird die Filtersteilheit wesentlich eingeschränkt. Akustisch sähe die Steilheit dann gut aus - elektrisch ist es aber zu wenig um den Ciare ausreichend zu entlasten.

Da der Beyma zum Mittelton hin stark ansteigt, muss die Filtersteilheit erhöht werden der die serielle Spule sehr große Werte annehmen.

Man sieht bereits in den Rohmessungen der Phase, dass diese über 3khz "zickig" wird und keinen gleichmäßigen Verlauf mehr hat. Das erfordert ebenfalls eine Erhöhung der Filtersteilheit, damit man das in einem angemessenen Bereich übereinander bekommt.

Wer einmal "spielen" möchte, findet im Anhang auch das Boxsim-File, das mal eine erste zusammengeklickte Version enthält, die aber noch nicht weiter optimiert ist.
Weiche P2 V1.BPJ
(22.8 KiB) 53-mal heruntergeladen
Soweit der aktuelle Stand, der folgende Erkenntnisse & Entscheidungen bringt:

- Der Ciare zeigt in den Messungen dass er (immer noch) "rockt" und weiter als Herzstück optimiert wird
- Der Aufwand der Weiche im TT und MT-Zweig steigt enorm - und zum anderen ist ein bedenklicher Faktor, dass bei komplett passiver Trennung ohne Multiband-Limiter keine Kontrolle über die Leistungszufuhr zum MT gegeben ist - bei tiefer Trennung wird das gefährlich gerade im Live-Betrieb, der nicht unbedingt ein gleichmäßiges Spektrum hat - gerade Dynamikspitzen im Low-Mid. Aus diesen Erkenntnissen heraus wird dann doch die Entscheidung bekräftigt, dass die Kiste nur im MT-HT Zweig passiv bleibt und TT-MT aktiv getrennt wird. Das erlaubt zum einen eine separate Limitierung des MT-HT Zweigs, deutlich höherflankige und präzisere Filter und erspart den ganzen Ärger mit der Impedanzkompensation.
- Die passive Trennung MT-HT kann dann ruhig aufwändig ausfallen, da Impedanzen hoch, Trennfrequenz hoch und Stromflüsse gering sind.
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#87

Beitrag von Ralle14 »

*xD* hat geschrieben: 13. Apr 2023 16:35 - Der Ciare zeigt in den Messungen dass er (immer noch) "rockt" und weiter als Herzstück optimiert wird
- Der Aufwand der Weiche im TT und MT-Zweig steigt enorm - und zum anderen ist ein bedenklicher Faktor, dass bei komplett passiver Trennung ohne Multiband-Limiter keine Kontrolle über die Leistungszufuhr zum MT gegeben ist - bei tiefer Trennung wird das gefährlich gerade im Live-Betrieb, der nicht unbedingt ein gleichmäßiges Spektrum hat - gerade Dynamikspitzen im Low-Mid. Aus diesen Erkenntnissen heraus wird dann doch die Entscheidung bekräftigt, dass die Kiste nur im MT-HT Zweig passiv bleibt und TT-MT aktiv getrennt wird. Das erlaubt zum einen eine separate Limitierung des MT-HT Zweigs, deutlich höherflankige und präzisere Filter und erspart den ganzen Ärger mit der Impedanzkompensation.
- Die passive Trennung MT-HT kann dann ruhig aufwändig ausfallen, da Impedanzen hoch, Trennfrequenz hoch und Stromflüsse gering sind.
Danke für die ausführlichen Messungen. Da ich vor 4 Jahren wohl als erster die Kombi Ciare + DE360 in Betrieb genommen habe, bestätigen deine Aussagen zu 95% meine Beobachtungen, Messungen und Vorgehensweise. :top:
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#88

Beitrag von Azrael »

*xD* hat geschrieben: 13. Apr 2023 16:35 Etwas irritierend war die Tatsache, dass auch das Einbringen von Noppenschaum die Tuningfrequenz senkte - meiner Auffassung nach hätte das Gegenteil der Fall sein müssen, daher musste ein Kompromiss zwischen Abrutschen des Tunings und Bedämpfung der Stehwelle bei 200Hz (Boden-Deckel) gefunden werden.
Einbringung von Dämpfungsmaterial, also auch von offenporigem Schaumstoff, sorgt für eine virtuelle Volumenvergrößerung (hat m.W.n. was mit der Verringerung der Schallgeschwindigkeit innerhalb des Dämpfungsmaterials zu tun).

Und eine Volumenvergrößerung (egal ob virtuell oder "in echt") bei gleichbleibenden Portmaßen sorgt für ein Absinken von fb, das kann man auch schön mit einem Simulationsprogramm nachvollziehen.

Das fb mit Einbringen von Dämpfungsmaterial sinkt, hat sich bei mir jedenfalls auch in der Praxis immer bestätigt. Ich wäre eher irritiert, wenn es umgekehrt wäre. :shock:

Viele Grüße,
Azrael

#89

Beitrag von *xD* »

Moin,

Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen wenn man zu den gleichen Resultaten als Optimum kommt :top:

Ja, wir anderen sind "gefolgt" :P ich habe leider auch nicht (mehr) die Zeit dafür hier x verschiedene Treiber zu testen.

Der Beyma im Mittelton wäre eventuell doch gedanklich eine Überlegunf gewesen wenn von Anfang an klar gewesen wäre, dass es das Flare mit Rückkammer aktuell nicht gibt, die Rückkammer zu basteln hat doch wieder ein paar ungeplante Stunden extra gekostet.

Allerdings läuft der Beyma auch nicht so hoch wie der Ciare, abgesehen vom Preis, und die messtechnische Performance fand ich doch nun doch auch schon sehr überzeugend, das sollte selbst im geflogenen Einsatz für 15-20m Reichweite ausreichend sein.

Zur Dämmung: Korrekt - für z.B. Sonofil bzw. Wolle allgemein war mir das bewusst, allerdings hatte ich die Auffassung, dass Noppenschaum bzw. Hartschaum den gegenteiligen Effekt hat (eben wahrscheinlich weil das nur noch bedingt als offenporig zu betrachten ist). Ansonsten hätte ich den Port noch etwas größer dimensioniert, auch wenn das Tuning noch akzeptabel ist.

Die aktive Trennung und separate Entzerrung lässt sich übrigens auch in Boxsim hervorragend simulieren und liefert sehr präzise Ergebnisse, besonders was die Auswirkungen auf die Phase angeht. So lässt sich ohne stundenlanges testen und messen über weite Bereiche die Phase in Einklang bringen.
Auch für die Trennung MT - HT klappt das mit einer passiven Trennung 5. Ordnung im HT Zweig hervorragend trotz dem steilen Abfalls des MT (Elektrisch 3. Ordnung, akustisch 5. Ordnung), sodass MT und HT zwischen 2,5 und 4khz komplett phasengleich spielen (nicht nur schneiden, sondern tatsächlich perfekt übereinander liegen). Der Frequenzgang sieht so zwar nicht ganz so schön aus (+-3db), das richtet aber dann der DSP. Die akustische Trennfrequenz liegt dann bei den von der Abstrahlung her optimalen 3,3 kHz, da sollten sich auch die klanglichen Auswirkungen durch das verzögerte Ausschwingen des MT noch in Grenzen halten. Unten klappt gut 350Hz mit 30db/oct., das muss ich nochmal von den Verzerrungen her checken, sollte aber eigentlich hinhauen.

Sobald ich mal wieder am Laptop bin kann ich den aktuellen Stand mal hochladen.

#90

Beitrag von *xD* »

Moin zusammen,

hier mal wie angedroht.
Weiche P2 V2.BPJ
(22.94 KiB) 45-mal heruntergeladen
FGang simuliert.png
Phase simuliert MT-HT.png
Weiter optimiert ist die Weiche nicht, eventl. kriegt man den F-Gang noch etwas schöner, spielt aber eigentlich keine allzu große Rolle, da das ja der DSP ohne großen Aufwand macht. Beim TT sind schon ein paar parametrische EQs drin, um ein Gefühl für die Auswirkungen auf die Phase zu bekommen.

Wichtig ist nur, dass die Phase im Übergangsbereich möglichst breitbandig passt, und die Trennfrequenz im richtigen Bereich landet. Wie zu sehen, ist das für den Übergang MT zu HT mit einem sehr steilflankigen Hochpass sehr gut gelungen - die Bauteile sind preislich in dem Leistungsbereich ohnehin vernachlässigbar. Die Trennfrequenz liegt ziemlich genau bei der für die Abstrahlung hervorragenden 3,3 - 3,4 khz. Bei der Trennung MT-TT sollten die Auswirkungen vernachlässigbar sein... :P

Wer sich nun wegen dem Group Delay Sorgen macht wegen der recht steilflankigen Filter - der Bereich MT-HT wird dann im letztendlichen Setup per FIR gerichtet. Im Bass macht das erstmal wohl auch nicht ganz so viel aus, wie viel Delay noch erträglich ist wegen der Taplänge zeigt sich dann.
Weiche MT-HT.png

#91

Beitrag von *xD* »

... Und hier nun ein paar Messungen der (fast) fertigen Kisten. Zu sehen ist nur die MHT Einheit, da draußen messen nicht ging - war für die erste Orientierung aber auch erstmal ausreichend, um die Passivweiche zu bewerten.

Es zeigt sich wieder die absolut präzise Simulation von Boxsim - die Phase liegt wie beim Messmuster prognostiziert perfekt breitbandig übereinander. Das zweite Modell zeigt geringfügige Abweichungen, entweder Serienstreuung oder auch leicht veränderte Messposition - aber kein Grund zur Sorge.
Phase Einzelwege.png
HT + MT einzeln Phase.png

... Entsprechend ergibt sich ein wunderbar symmetrischer Einbruch bei rund 3,5 kHz. Nach Einstellung von 2-3 einfachen parametrischen EQs ist das ganze auch schon "glatt".
HT + MT zusammen + verpolt.png
Einzelwege + Summe + verpolt.png
Interessant nun auch die Messungen vom Klirr - primär um den geplanten LC @350Hz / 6. Ordnung zu testen. Wie zu sehen absolut kein Problem für den Ciare, es ist kein zunehmender Klirr im Wiedergabebereich festzustellen. Dahingehen zu sehen ist ein bereits bei 1W deutlich höherer k3 als bei den Rohmessungen - hörbar etwas "angestrengt" wurde der Gleitsinus aber erst @100W. Raumeinfluss ist nicht auszuschließen da indoor, allerdings entstanden die Rohmessungen in der gleichen Messumgebung. Das Verhalten ist bei beiden LS gleich festzustellen.
Wer hat eine Idee - verursachen die IT Luftspulen tatsächlich von sich aus schon so einen hohen Klirr?
Klirr@1W.png
Klirr@100W.png
Zerfallsspektrum geht sinnvoll nur draußen - im Hörtest war aber nichts auffällig festzustellen.
Zum Hören - selbst nur mit den simulierten Einstellungen für den TT zeigt die Kiste klanglich was sie kann.
Die von Jones beschriebenen Anomalien unter Winkel konnte ich erstmal nicht feststellen - nur der Spot im Superhochton ist recht eng.
Ansonsten bewegt sich das auf einen Niveau, auf dem selbst die teuersten 2-Wege Fertigkisten keine Chance haben in Sachen Auflösungsvermögen.
Die hörbare Wiedergabe ist selbst bei unter 1m Abhördistanz perfekt auf den MT zentriert, den HT kann man überhaupt nicht als andere Schallquelle wahrnehmen, interessant wäre hier der Einfluss der höheren Trennfrequenz auf die Wahrnehmung zu testen - auf jeden Fall überzeugt das Resultat.

Aber auch der B&C klingt sehr fein bis in die höchsten Höhen und zeigt, was so ein 1,4" alles nicht wiedergibt... :D

Der nächste Schritt ist somit nur noch, die aktiven Übergänge MT - TT - Sub zu perfektionieren - Musik hören macht aber auch mit dem Grobsetup auf jeden Fall Spaß.

Der Sub durfte gestern auch mal - ist hörbar ein Bassreflex, aber gut, irgendwo muss man halt Abstriche machen und schlechter als fertige Markenkisten ist er auch nicht, dafür sind 44kg ja auch noch verhältnismäßig gut zu handeln und vor allem Kombi-kompatibel.
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#92

Beitrag von *xD* »

Moin zusammen,

Nachdem nun das ganze Setup erstellt ist, ein paar abschließende Worte.

- Die interessanteste Erkenntnis liefert hier eine Messung des abschließenden Setups etwa 2m vor dem LS auf Ohrhöhe (ungefenstert).
Erwartungsgemäß sollte ein LS mit dieser Messung dumpf und mumpfig klingen - tatsächlich aber überhaupt nicht. Das Flare kann über 1khz um bis zu 5 db abgesenkt werden und setzt sich immer noch deutlich durch. Der Physik widerspricht es, dass das Flare "weiter trägt" (zumindest in diesen Dimensionen der Schallquelle), der Höreindruck bestätigt es aber. Das ist dem Mix auch sehr zuträglich, da es deutlich höhere Pegel erlaubt ohne unangenehm zu werden.

Verschiedene Stufen der Absenkung zeigt die zweite Messung, die leider auch den unangenehmen Einbruch im Lowmid durch die Bodenreflektion zeigt, diese wandert je nach Messabstand mit. Das per breitbandigem EQ zu kompensieren macht wenig Sinn, da die destruktive Energie in gleichen Maße zunimmt. Das Publikum vor den LS macht es in der Praxis meist besser.

Zwischenmessung.png
Topteil final auf Stativ.png

Hier einmal die ersten Messungen als GPM von TT und MT zueinander. Die separate Phase zeigt, dass die Addition sehr gut funktioniert. Wie erwartet zeigt sich die Addition aufgrund der großen Wellenlängen und räumlichen Nähe unempfindlich gegenüber verschiedenen Winkeln.

Die GPM fand direkt auf der Rasenfläche statt - das ist annährend eine ideal diffus reflektierende Fläche, für die folglich 6db/oct. Pegelabfall zu erwarten ist. Demzufolge sagt die Messung aus, dass die Abstimmung zu dem Zeitpunkt noch Höhen bzw. Mittenlastig ist, auch wenn es auf den ersten Blick etwas ganz anderes nahelegt.

Man sieht einen kleinen Einbruch im Bereich der Trennfrequenz - nach Überprüfung unter verschiedenen Winkeln stellt sich heraus, dass es auch nicht viel schlimmer wird auf realistischen Distanzen.

Phase TT + MT GPM.png
Frequenzgang GPM.png

Etwas unschön - nicht nur in der Darstellung - zeigen sich diese Messungen - hier zu sehen sind eine GPM des TT, wie auch Nahfeld und BR Port, dazu unterlegt ist der Impedanzgang.

Erste Testmessung.png

Hier zu sehen ist ein deutlicher Einbruch im Bereich 150 - 200Hz, der sich nach Ausschluss aller Ursachen als mutmaßlich partieller akustischer Kurzschluss infolge des nah am Chassis befindlichen BR Ports, der nur aus der Wandstärke der Front besteht erweist.

Das stellt unglücklicherweise kein Simulationsmodell dar, ist aber im Nachhinein betrachtet logisch. Gleichzeitig war es bei der Entwicklung aber auch nicht zu erwarten, dass der Port so kurz wird final, ein längerer Port hätte die Auswirkungen mutmaßlich abgemildert.

Glücklicherweise ist der Einbruch doch in Breite und Tiefe begrenzt da auch die Fläche des Ports begrenzt ist, aber ärgerlich.

Bass + TMT.png

Zuletzt einmal noch das als GPM ausgearbeitete Setup. Der Bass spielt hier bis 90 Hz / But 18 nach oben, der TT im Top bis ca. 60 Hz nach unten. Grundsätzlich funktioniert der parallele Betrieb der unterschiedlichen LS prinzipiell - allerdings haben insbesondere die Charakteristik des LP und die Steilheit des HP erheblichen Einfluss auf die Phasenlage.

In der typischen Aufstellsituation (Top auf Stativ L/R, Bass am Boden) sehen die Messungen trotz mustergütigem Setup dann nicht mehr so gut aus, da sich die verschiedenen Abstände doch auswirken.

Das führte final zu der Erkenntnis, dass ein Bessel-HP bei 90 Hz / 18db die bessere Wahl ist, da er die Phase weniger stark dreht, obwohl es in der GPM schlechter aussieht.

Im Mittel kann sich dann über mehrere Messpositionen eine konstruktive Addition von etwa +2db erreichen lassen - dafür ohne nennenswerte größere Einbrüche im Beschallungsbereich, das ist doch akzeptabel.


Nun, wie klingt das ganze final - es macht definitiv Spaß, da einfach das Topteil schon erwachsen klingt und extrem durchsetzungsfähig ist. Der Parallelbetrieb im Bassbereich lässt den Sub trockener klingen als er das im Alleinbetrieb tut. Insgesamt klingt er immer noch durchaus "flott".

Die - 5db im Mittenbereich tun der Wiedergabe bei sehr hohen Pegeln gut, das Top klingt weitaus entspannter selbst auf kurze Distanzen und um Welten durchsetzungsfähiger als jedes 2-Wege Top.

Erfreulicherweise leuchtet hier bei Limit des TT am Flare gerade die -10db - das ist ja durchaus bekannt, da der MT in der bei mir eingesetzten Trennung bei 350 Hz doch ein paar W mehr abbekommt ein Punkt - aber auch hier kein Problem.

Fazit: Bodenport ist praktisch eine gute Idee - in der Praxis aber sehr kompromissbehaftet und kostet Pegel in wichtigen Frequenzbereichen. Würde ich anders machen.

TT und Bass parallel: Klanglich absolut empfehlenswert, erfordert aber sowohl viel Know How bei der Einstellung wie auch entsprechend großvolumige Topteile (oder auch eine große Anzahl derer).

3 Wege: Schlägt jedes 2 - Wege Konzept egal in welcher Preisklasse.

Nebenbei erwähnt - das System ist jetzt aktuell erstmal "konventionell" mit IIR getrennt und entzerrt. Trotz immerhin nun 5 kompletten Phasendrehungen über den ganzen Frequenzbereich kann ich das nicht wirklich klanglich ausmachen. Wenn Zeit ist kommt schon einmal FIR - bin gespannt, erwarte mir aber nicht allzu viel aktuell.
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#93

Beitrag von jones34 »

*xD* hat geschrieben: 3. Jul 2023 17:39 Hier zu sehen ist ein deutlicher Einbruch im Bereich 150 - 200Hz, der sich nach Ausschluss aller Ursachen als mutmaßlich partieller akustischer Kurzschluss infolge des nah am Chassis befindlichen BR Ports, der nur aus der Wandstärke der Front besteht erweist.
Achtung. Ich habe ein ähnliches Problem mit meinen Tops, nur etwas Tieffrequenter.
Bei mir ist es die erste vertikale Gehäuseresonanz, die diese Probleme macht.
Ich hab bis jetzt aber leider wenig Abhilfe gefunden die nicht gleich den ganzen Bass mit wegdämpft.

#94

Beitrag von zabox909 »

Bei mir ist es das gleiche Problem mit dem Einbruch zw. 150-200Hz, nach viel testen denk ich auch dass es die Stehwelle ist.
Verschiedene Ports, Flare mit einer Holzplatte ersetzen, oder Ports ganz verschließen verschiebt das Problem nur minimal hin und her. Bis auf lächerlich viel Dämmmaterial habe ich auch nichts gefunden. Vielleicht würde ein kleiner interner Helmholzresonator in der Decke helfen, wüsste aber nicht wie man das Platzmäßig unterbringt.

@*xD* du kannst ja auch mal testweise den Port verstopfen, bei einem Kurzschluss müsste das Problem dann ja eig besser werden. Habe gerade testweise Eckports unten, aber beim finalen schätz ich auch dass Mitte besser wäre, so pustet die Stehwelle wenigstens nicht so durch den Port nach außen.

Edit: Messung: (nicht kalibriert, Port skaliert nach unterer Flanke, geschlossen +10dB, beim Zappler um 90Hz war was nicht richtig verschraubt, den gibt es normal nicht)

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